

Auch ein Thema für Ihr Studio?Sie sind Anfang 50 und stolzer Inhaber einer Fitness-Anlage. Die Frage, ob Sie sich bereits Gedanken über die Unternehmensnachfolge gemacht haben, würden Sie wahrscheinlich mit Nein beantworten. Die Folgefrage „Warum nicht?“ führt uns in den Bereich der Psychologie: zu schwer fällt die intensive Beschäftigung mit diesem Thema, löst sie doch schnell Gefühle der Leere („Ein Leben ohne Studio?“), des Versagens („Weshalb habe ich keine/n Nachfolger/in in der Familie?“) oder einfach das Gefühl aus, als Ruheständler zum „alten Eisen“ zu gehören.
Anzeige So verständlich solche Emotionen sind, bei der Planung der Unternehmensnachfolge haben sie nichts zu suchen. Gerade wegen der hohen emotionalen Bindung des Unternehmers an seinen Betrieb muss die Altersnachfolge nicht nur betriebswirtschaftlich, steuerlich und rechtlich optimal gestaltet werden, sondern auch der Nachfolger muss einfach ‘passen’ und das ‘Unternehmensschicksal’ kalkulierbar bleiben.
Eine aktuelle Studie von Pricewaterhouse- Coopers verdeutlicht die Aktualität genau so wie die Brisanz des Themas: zwei Drittel aller deutschen Familienunternehmen haben mit dem kommenden Generationswechsel keinen Nachfolger in der Familie, gleichzeitig fehlen 44 % dieser potenziellen Verkäufer noch ein Kaufangebot für ihr Unternehmen.
Bis zu einem erfolgreichen Unternehmensverkauf im Alter ist es also eine lange Strecke, und Sie sollten rechtzeitig Ihren Fahrplan aufstellen!
Wohin soll die Reise gehen? Entwickeln Sie Ihr persönliches, individuelles Zielsystem.Welche Vorstellungen verbinden Sie mit der Unternehmensübergabe? Hier sind finanzielle Aspekte wie Ihre Altersvorsorge genau so wichtig wie persönliche Motive: möchten Sie den/die Nachfolger/in noch begleiten, oder sich zum Veräußerungszeitpunkt sofort zurück ziehen? Wie kann Ihr Lebenswerk erhalten werden? Welche Handlungsoptionen planen Sie für Ihr Alter?
Von solchen persönlichen Fragestellungen über steuerliche und rechtliche Aspekte bis hin zur Frage, ob Sie verkaufen, verpachten, aufspalten oder verrenten wollen, gibt es ein ganzes Geflecht von Fragen, die eine umfangreiche Planungsphase erfordern.
![]() Marco Meyer Dipl.-Kaufmann Sachverständiger für Fitness- und Gesundheits- Studios Geschäftsstellenleiter GfG Wie sieht die Streckenführung aus, und welche Zwischenstationen muss ich anfahren? Eine erfolgreiche Nachfolgeregelung ist nur über Umwege zu erreichen. Viele Faktoren beeinflussen zum Beispiel den Unternehmenswert, so dass es notwendig sein wird, viele Nebenbedingungen zu erfüllen. Wie wirken sich bestehende Vertragsverhältnisse aus? Wie sind Handels- und Steuerbilanzen zu gestalten?
Wer begleitet die Fahrt zur Unternehmensnachfolge? Die Vielzahl der zu klärenden Fragen macht die Einschaltung kompetenter Berater unerlässlich. Dabei ist Know-How in den verschiedensten Fachbereichen gefordert: Fragen zu Altersvorsorge, Geldanlage, Erbschaftssteuer etc. fallen in den Bereich eines Steuerberaters. Ein Unternehmensberater hilft zum Beispiel bei der Wertermittlung Ihrer Anlage, bei der Nachfolger-Auswahl oder bei der Einbeziehung Ihrer Bank in die Planungen. Schließlich beantwortet ein Anwalt Fragen zur Gestaltung von Verträgen, möglichen Auswirkungen einer Scheidung oder der Absicherung von Familienangehören.
Natürlich behalten Sie als ‘Zugführer’ Zielplanung und Koordination in der Hand! Und im besten Falle benötigen Sie nur einen ‘Zugbegleiter’: mit einer kompetenten, branchenspezifischen Unternehmensberatung, die sämtliche Fachgebiete abdecken kann, verhindern Sie ein unkoordiniertes Vorgehen Ihrer Berater!
Wie sieht der genaue Fahrplan aus? Wenn der Weg klar ist, sollten Sie einen detaillierten Zeitplan aufstellen. Einen konkreten Zeitpunkt für die Betriebsübergabe sollten Sie genau so festlegen wie einzelne Aktionsschritte auf dem Weg dahin.
Kalkulieren Sie ein, dass Ihr Zug ins Schleudern gerät! Im unternehmerischen Alltag können ständig unvorhergesehene Entwicklungen statt finden, die dramatische Auswirkungen auf Ihr Unternehmen haben – seien diese nun betrieblich oder privat verursacht. Für einen solchen Fall sollten Sie Vorbereitungen treffen, damit eine plötzlich notwendige Veräußerung nicht zum ‘Notverkauf’ wird.
Darüber hinaus verbessert ein Plan zur Unternehmensnachfolge auch Ihre Kreditwür- digkeit! Banken beziehen konkrete diesbezügliche Planungen systematisch in ihre Rating- Verfahren mit ein, stellen sie doch ein Indiz für Nachhaltigkeit und Qualität des Managements dar.
Am Ziel – Endstation? So wichtig kompetente Unternehmensberater im Planungsvorfeld sind, so unentbehrlich sind sie beim Verkauf selbst und danach. Zunächst will der Verkauf selbst organisiert sein. Wann erhält der Käufer welche Informationen? Welche Zusicherungen muss er für den Erhalt vertraulicher Geschäftsinterna machen? Wie müssen Vorverträge (Letter of Intent) gestaltet werden?
Doch auch nach vollzogenem Verkauf bleibt Expertenwissen unerlässlich. Ob Sie nun den Verkaufserlös sofort in einer Rate erhalten haben, oder ob eine Verrentungslösung Ihren Ruhestand finanzieren soll – in jedem Falle werden Sie Interesse daran haben, dass das Studio erfolgreich (und in Ihrem Sinne) – weiter geführt wird. Oftmals widmen sich ehemalige Unternehmer aber neuen Aufgaben, so dass auch hier gern auf externe Berater zurück gegriffen wird, die den Unternehmensnachfolger mit vollem Engagement und Sachverstand unterstützen.
Sprechen Sie also rechtzeitig das Thema Altersnachfolge an – auch mit Ihrer Familie. Der wichtigste Schritt beginnt wie immer im Kopf!
Quelle: fMi, 5/2006 [ HG ] |