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Bedürfnisse formen neue Kurskonzepte
Spinning wird erwachsen.

Betrachtet man die letzten 20 Jahre gruppendynamisches Training in Fitnessanlangen, so hat sich seit dieser Zeit einiges geändert, Trends kamen und gingen, Trainingskonzepte haben sich etabliert. Indoor Cycling / Spinning ist schon lange kein Trend mehr, sondern in vielen Clubs weltweit ein fester Bestandteil des Kurssystems. Wohin geht die Zukunft? fitness Management International fragt einen, der es wissen muss.
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Was passierte mit Indoor Cycling / Spinning während der letzten Jahre?
A.F: Die Wurzeln liegen im Radsport. Ursprünglich diente das Rad mit dem starren Antrieb und der Schwungscheibe Radsportlern, um ein optimales Training zu gewährleisten. Dies machte Cycling zu einer Nischenanwendung mit hohen Trainingsintensitäten für sportliche Mitglieder. Zwischenzeitlich hat sich daraus, bedingt durch Veränderungen im Markt und die Bedürfnisse der Kunden, vielerorts ein gesundheitlich orientiertes, gruppendynamisches Herz-Kreislauftraining entwickelt.
Warum ist Indoor Cycling nach wie vor erfolgreich?
A.F: Die Antwort ist einfach – Fahrradfahren kann jeder. Es ist ein typischer Bewegungsablauf, welchen die meisten von uns bereits im Kindesalter erlernen. Cycling schont die Gelenke und die Intensität ist sehr gut dosierbar. Cycling in der Gruppe macht eindeutig mehr Spaß als alleine, d.h. Indoor Cycling als Kurssystem wird sich noch lange behaupten.

Der diplomierte Betriebswirt (FH) mit Schwerpunkt Marketing ist seit fast 5 Jahren als Marketingchef für Cytech/TOMAHAWK tätig.
Nutzen die Studios dann ihr Potenzial wirklich aus?
A.F: In vielen Studios konnte ich leider beobachten, dass Cycling immer noch wie eine Nischenanwendung geführt wird. Dreimal die Woche kommt ein ambitionierter Mountainbiker, der sich für jeweils eine Stunde vorne aufs Rad setzt und mit Vollgas über die imaginären Hügel heizt. Die Teilnehmer sind immer die Selben, neue Mitglieder werden nicht wirklich in den Kurs integriert. Aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich ein Fiasko, betrachtet man die Investition in die Geräte, die Raum- und Personalkosten. Potentiale zu nutzen bedeutet, jeden Bereich effizient auszuschöpfen. Für Cycling heißt das, auf die Bedürfnisse der Mitglieder einzugehen, spezielle Kursangebote mit unterschiedlichen Intensitäten und Trainingszielen zu schaffen, neue Kunden in die Kursbereiche zu integrieren, qualifizierte Indoor Cycling Trainer einzusetzen und hochwertige Räder zu verwenden, die ein optimales Training sowie Spaß am Cycling zulassen.Viele Studios haben diese Notwendigkeit erkannt und führen Indoor Cycling als erfolgreichen Profitcenter innerhalb der Anlage – aber es gibt auch noch viel Nachholbedarf.
Sind nicht gerade “Best Ager” eine wichtige Zielgruppe - Fahrrad fahren im Studio ohne Risiko und Straßenverkehr?
A.F: Nach dem Motto „Ich muss nicht fit sein, um ins Fitness Studio zu gehen“ bilden die „Best Ager“ zukünftig eine der tragenden Säulen vieler Anlagen. Allerdings habe ich auch feststellen müssen, dass viele Studiobetreiber nur darüber reden, spezielle Konzepte für diese Zielgruppe anzubieten. Ein Blick auf den wöchentlichen Kursplan verdeutlicht jedoch schnell, dass die grundlegende Ausrichtung des Kursbereiches nach wie vor an alten Prinzipien festhält: 70 % Fortgeschrittenen-Kurse werden für 20 % sportliche Mitglieder angeboten?! Hier stimmt das Verhältnis eindeutig nicht!
Kann man sein Produkt am besten verkaufen, wenn man es auch „lebt”?
A.F: Wer hinter seinen Ideen und Konzepten steht, der gewinnt an Glaubwürdigkeit. Ich kann jedem Studiobetreiber nur raten, seine Strategie konsequent vorzuleben und nicht nur davon zu reden. In unseren erfolgreichsten Clubs haben die Betreiber ein klares Konzept hinter dem Indoor Cycling Bereich stehen, vernetzen diesen Kursbereich mit anderen Anwendungen (z.B. Zirkeltraining), führen neue Mitglieder gezielt an abwechslungsreiche Kurse mit unterschiedlichen Trainingszielen heran.
Haben sowohl die Hersteller als auch die Studios ihre „Vorbildfunktion” immer im Griff?
A.F: Auf Seiten der Hersteller ist in den vergangenen Jahren einiges passiert; besonders erfolgreich läuft es, wenn neben der Hardware auch die so wichtige Software in Form von Ausbildungen geliefert wird. Viele Studiobetreiber haben dies erkannt und nutzen diese Konzepte in ihren Anlagen - und der Erfolg gibt ihnen meistens Recht. Um eine Vorbildfunktion zu leben, bedarf es Mut. Mut zur Veränderung, zur Vision und zum konsequenten Handeln; diesen Schritt müssen viele Studiobetreiber erst noch gehen.
Welche speziellen Werkzeuge bietet TOMAHAWK für eine erfolgreiche und wirtschaftliche Umsetzung von Cycling?
A.F: Als mittelständische deutsche Firma haben wir es geschafft, uns global zu etablieren. Wir sind ständig mit der Weiterentwicklung unserer Produkte und Konzepte beschäftigt, so entstand im Jahre 2002 auch das patentierte Sensitive Cycling. Dies ermöglicht eine Modifikation des TOMAHAWK Indoor Bikes zum Sensitive Bike mit aufrechter Sitzposition. Diese Umrüstung realisiert nun auch Senioren, Übergewichtigen, Schwangeren und Unsportlichen ein angenehmes und effektives Training auf dem Rad. Über unsere I.C.E. Ausbildungsakademie schulen wir gezielt auf die unterschiedlichen Zielgruppen. Sensitive Cycling wird mittlerweile von mehreren hundert Studios erfolgreich umgesetzt, denn durch diese neuen Zielgruppen können zum Beispiel anstatt nur 6 Mal Indoor Cycling pro Woche zusätzlich spezielle Kurse angeboten werden. Dieser Mehrfachnutzen verschafft dem Investor somit einen schnelleren Return on Investment und bietet eine neue Variantenvielfalt sowie klare Positionierung im Kursbereich.
Sollte beim Sensitive Cycling der Trainer auch ein Best Ager sein?
A.F: Interessanter Weise hat es sich gezeigt, dass die erfolgreichsten Sensitive Cycling Trainer nicht aus dem Indoor Cycling Bereich kommen, sondern von der Kraft- und Cardiofläche sowie aus anderen gruppendynamischen Kursen oder der Physiotherapie. Dies liegt wahrscheinlich an der Intensität der Kurse, da Sensitive Cycling ausschließlich im moderaten Grundlagenbereich der Ausdauer stattfindet und wirklich niemanden ausschließt, denn es wird viel Wert auf die Erreichung der Trainingsziele gelegt.
Welche Unterstützung bieten Sie den Studios bei der Integration und Umsetzung?
A.F: Für uns ist es sehr wichtig, dass die Studiobesitzer mit unseren Produkten erfolgreich sind. Bereits vor Lieferung der Räder erhält der Kunde ein umfangreiches Marketingpaket bestehend aus Bannern, Postern und Mitgliederinformationen, da die interne Bewerbung enorm wichtig für eine erfolgreiche Einführung neuer Kurse ist. Die zweite Säule ist die richtige Qualifizierung der Trainer. Im Rahmen der Investition legen wir auch viel Wert auf die richtige Ausbildung der Instruktoren, da deren Qualität Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg bedeutet. Mit speziellen Kursen (auch für Reha und Prävention) bilden wir je nach Kundenwunsch gezielt aus, damit die eigene Vision des Studiobetreibers effektiv in der Anlage umgesetzt werden kann.
Wie soll sich das qualifizierte mittelständische Studio gegenüber Discountern und “Premium-Preisbrechern” durchsetzen?
A.F: Ich kann jedem Studiobetreiber nur raten, sich klar innerhalb seines Einzugsgebietes zu positionieren. Hierzu gehören hochwertige Betreuungskonzepte, eine gesundheitlich orientierte Ausrichtung und die richtige Ansprache der Zielgruppen. Hochwertige Studios müssen sich klar abgrenzen und zeigen, was sie zu bieten haben, das gilt auch für den Cyclingbereich.
Quelle: fMi, 1/2007
[ MM ]
     [01.03.2007]
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