

fMi Ausgabe 1/2007Bremser haftet Anzeige Wer im fließenden Straßenverkehr bremst, muss dafür einen Grund haben. Passiert ein Bremsmanöver willkürlich und ohne ersichtlichen Grund, gilt nicht mehr der Grundsatz „wer auffährt, der haftet“. Ein mutwilliger Bremser trägt seinen Schaden selbst.
Oberlandesgericht Frankfurt Main 3 U 220/05 Endlich mal ein Urteil, bei dem man sagt: Richtig! Wer im Straßeverkehr unterwegs ist, muss sich den Gepflogenheiten anpassen – sonst soll er lieber draußen bleiben.
Achtung: Umsatztantiemen In KuM – also klein- und mittelständischen Unternehmen ist bei der Gesellschaftsform der GmbH häufig der (Haupt) Gesellschafter auch Geschäftsführer des Betriebes. Dieser GGF vereint also quasi zwei Positionen in seiner Person: Die des Kapitalgebers und die des (von den Gesellschaftern) bestellten Geschäftsführers; man könnte auch sagen, irgendwie kontrolliert er sich selbst. Das ist in der Regel ja bei dieser Konstellation auch bezweckt. Bis hierhin ist alles klar. Klar sein muss dem GGF aber natürlich auch, dass die Finanzämter gern ihr besonderes Augenmerk darauf legen, ob hier steuerlich „alles mit rechten Dingen zugeht“. Also zum Beispiel keine verdeckten Gewinnentnahmen gegeben sind. An dieser Stelle kommt der Begriff der „Umsatztantieme“ ins Spiel. Hier sind die Betriebsprüfer immer besonders misstrauisch und erkennen den Umsatz als Bemessungsgrundlage für Tantiemen an den Geschäftsführer oftmals nicht an. Es müssen schon sehr gute Gründe vorliegen, damit von Finanzamtsseite keine Probleme entstehen, zum Beispiel wenn das Unternehmen sich noch in der Gründungsphase befindet. Aber auch dann gilt: Umsatz- Tantiemen zeitlich begrenzen und immer die Angemessenheit im Auge behalten!
Nie vergessen: die Protokolle der regelmäßigen Gesellschafterversammlungen mit den gefassten Beschlüssen in die Dauer-Ablage packen!
Vorsicht Falschaussage Wer einen Kollegen dazu überreden will, im Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen in der Firma, eine Falschaussage zu tätigen, der kann selbst fristlos entlassen werden. Diese Anstiftung zerstört jegliches Vertrauensverhältnis im Betrieb, so dass der Unternehmer fristlos handeln kann.
Hessisches Landesarbeitsgericht 3 Sa 1014/05 Richtig! Falschaussagen sind kein Pappenstiel, hier ist zu viel kriminelle Energie vorhanden, die nicht in ein Unternehmen und in den Kollegenkreis hineingehörtl
Hier wird abgeschleppt! Auf öffentlichem Grund und Boden können bei entsprechenden Verstößen Fahrzeuge abgeschleppt werden. Für die Kosten haftet dann in jedem Fall der Halter des Fahrzeugs, auch dann, wenn der Fahrer (angeblich) nicht zu ermitteln oder ganz einfach zahlungsunfähig ist. So weit, so gut. Ganz anders sieht es aber aus, wenn ich von meinem privaten Grundstück einen fremden PKW abschleppen lasse. Ist der Fahrer nicht zu finden oder kann nicht zahlen, so bleibt der Privatmann auf den Kosten sitzen.
Landgericht Hamburg 318 S 111/05 Merke:Komischerweise wird hier auf einmal die „Privatsphäre“ geschützt.
Befristete Beschäftigung Mit einem Mitarbeiter kann ein befristeter Arbeitsvertrag abgeschlossen werden, das ist zulässig.Als Grund für die Befristung gibt es die Möglichkeit der zeitlich definierten Aufgabenstellung (bestes Beispiel: die Schwangerschaftsvertretung) oder die zeitlich begrenzten Finanzierungsmittel. Kein zulässiger Grund ist die Angabe, dass die finanziellen Verhältnisse nicht abzusehen oder unklar sind.
Landesarbeitsgericht Köln 2 Sa 211/05 Klare schriftliche Verhältnisse verhindern, dass es hinterher Streit gibt – ist nun mal so!
Aufgabe Arbeitsgerichte Die Arbeitsgerichte können von Arbeitnehmern angerufen werden, wenn akute Vorfälle eintreten, bei denen der Mitarbeiter der Meinung ist, er wird benachteiligt. Klassisches Beispiel ist die (vermeintlich) ungerechtfertigte Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Hier ist also sofortiges Handeln / schnellstmöglicher Klärungsbedarf gegeben, denn es handelt sich ja um die wirtschaftliche Existenz des Arbeitnehmers. Logischerweise werden deshalb Verhandlungen beim Arbeitsgericht immer kurzfristig anberaumt. Um diese (für alle Beteiligten so wichtige) schnelle Handlungsmöglichkeit zu erhalten, kann das Gericht auch Klagen für unzulässig erklären. Das ist immer dann der Fall, wenn es um allgemeine oder nicht akute Problemfälle geht, zum Beispiel die Zulässigkeit einer generellen Wochenarbeitszeit.
Bundesarbeitsgericht 6 AZR 182/04 Der Klageflut Einhalt gewähren – wer wünscht sich das nicht!
Freier Parkplatz Wer seinem Mitarbeiter einen Firmenwagen zur Verfügung stellt (der dann nach der 1 % Regel versteuert wird), kann auch die Parkkosten in einer Tiefgarage übernehmen, ohne das hierdurch für den Mitarbeiter ein geldwerter Vorteil entsteht. Es liegt nämlich im Interesse des Betriebes, dass firmeneigene Fahrzeug dort besser und geschützter abgestellt sind als auf der Straße.
Finanzamt Köln 11 K 5680/04 Der gesunde Menschenverstand hält also manchmal auch Einzug bei den Finanzämtern.
Vermietung und Verpachtung Umbaumaßnahmen bei vermieteten Immobilien können steuerlich sehr unterschiedlich betrachtet werden. Entweder man kann die Kosten sofort komplett geltend machen oder aber man muss sie der normalen Abschreibung über die Jahre unterwerfen. Entscheidend ist hierfür, ob es durch den Umbau zu einer Funktionsänderung kommt. Dies wäre zum Beispiel der Fall,wenn Mietwohnungen in Arztpraxen umgewandelt werden.Werden jedoch große Flächen etwa bei Büros durch Wände unterteilt, um kleinere Einheiten vermieten zu können, so ist es zulässig, die Kosten hierfür sofort abzuschreiben.
Bundesfinanzhof IX S 16/05 Wer soll da noch durchblicken – Unterschiede und Ausnahmen für alles und jedes lassen Steuererklärungen zur Lotterie werden?
Vorsicht Testament! Der Ehemann setzt ein Testament in der Ich-Form auf und gibt damit seine Anordnungen für sein Vermächtnis. Die Ehefrau schreibt unten drunter, dass dies auch ihr letzter Wille sei.Was bedeutet das? Lediglich der Ehemann hat ein gültiges Testament aufgesetzt, seine Ehefrau hat seine Letzte Verfügung lediglich gebilligt! Die von der Ehefrau möglicherweise beabsichtigten Verfügungen sind nichtig.
Bayerisches Oberlandesgericht 1 Z BR 106/02 Warum müssen die Leute immer an der falschen Stelle sparen!? Nichts ist so endgültig – nach dem Tode eines der beiden Erblasser – wie ein Testament. Warum bedient man sich bei so entscheidenden Dingen nicht der Fachkenntnisse zum Beispiel eines Notars? Man muss doch gar nicht alles selber wissen, man muss es nur von der richtigen Stelle regeln lassen!
Verluste sind möglich Wird eine Eigentumswohnung dauerhaft vermietet, allerdings (da sie möbliert ist) an ständig wechselnde Personen, so kann trotzdem davon ausgegangen werden, dass mit einer Immobilie langfristig Gewinn erzielt werden soll. Das hat zur Folge, dass das Finanzamt jährliche Verluste bei der Steuererklärung VundV des Eigentümers anerkennen muss. Ein anderer Ansatz liegt allerdings vor, wenn es sich bei der Wohnung um eine Ferienwohnung handelt, die könnte man ja auch selber nutzen, und damit ist das Interesse an einer dauerhaften Vermietung wohl gar nicht gegeben.
Bundesfinanzhof IX R 35/05 Bei möblierten Wohnungen gelten sehr kurze Kündigungsmöglichkeiten für den Vermieter, das ist gut. Weniger gut ist wahrscheinlich der „Verschleiß“ der Möblierung?!
Unterschrieben ist unterschrieben Das schriftliche Angebot eines Arbeitgebers, einen befristeten Arbeitsvertrag um ein Jahr zu verlängern ist gültig, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer dieses Schriftstück unterschrieben haben.
Bundesarbeitsgericht 7 AZR 514/06 Logisch, auf irgendetwas muss man sich auch mal verlassen und als definitiv vereinbart ansehen können. Sonst muss man sich irgendwann ja fragen,was die Unterschrift eines volljährigen Menschen denn noch wert sein soll!
Die Frist gilt Für die Einreichung einer Kündigungsschutzklage gilt die dreiwöchige Frist. Das gilt auch dann, wenn der Gekündigte meint, er hätte diese Frist versäumt, da er an einer depressiv bedingten Antriebsschwäche leidet und er erst nach einem Monat in der Lage war, das Arbeitsgericht anzurufen.
Arbeitsgericht Köln 14 Ta 21/06 Eine gewisse Antriebsschwäche haben viele – wenn das immer ein Grund sein soll ...
Urlaub ist Urlaub Ein vom Arbeitgeber genehmigter Urlaub kann genommen werden. Der Mitarbeiter muss nicht verschieben, nur weil der Unternehmer organisatorische Probleme wegen der Krankheit von Kollegen hat. Solange die Existenz des Unternehmens nicht bedroht ist, ist der Urlaubsantritt rechtens.
Arbeitsgericht Frankfurt 2 Ca 4283/ Krankheit der Mitarbeiter gehört eben zum „Betriebsrisiko“ des Unternehmers – das muss der Chef eben `ran.
Doppelte Haushaltsführung Arbeitnehmer, die vielfach auswärts tätig sind, zum Beispiel weil sie für ein Filialunternehmen arbeiten, können die gesetzlich möglichen Pauschalen für doppelte Haushaltsführung als Werbungskosten geltend gemacht werden. Dies unabhängig davon, wie hoch die Miete am Zweit-Ort tatsächlich ist.
Bundesfinanzhof VI R 44/03 Wer ständig unterwegs ist, sollte nicht bestraft werden, zumindest nicht steuerlich!
Kassen-Preis zählt Es liegt keine wettbewerbswidrige Handlung vor, wenn Käufer für einen Artikel nur den Preis zahlen, der zum Beispiel in einem Werbeflyer geschrieben steht, auch wenn am Artikel selbst ein höherer Preis steht.
Oberlandesgericht Koblenz 4 U 1113/03 Ausschlaggebend ist ja wohl,was tatsächlich bezahlt werden muss, eine Täuschung liegt ja nicht vor.
Zinserträge schätzen? Das Finanzamt darf zwar unter Umständen Einnahmen aus Kapitalerträgen schätzen – in jedem muss aber nachvollziehbar dargelegt werden können, auf welcher Basis was berechnet wurde. Sonst ist der Steuerbescheid ernsthaft anzuzweifeln.
Finanzgericht Niedersachsen 14 V 194/04 Auch wenn dem Staat Geld in der Kasse fehlt – mit puren Schätzungen kann dieses Defizit ja wohl nicht geregelt werden!
Quelle: fMi, 1/2007 |